Fernstudienakademie
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Jürgen Schulze-Seeger: „Schwarzer Gürtel für Trainer: Wie Sie im Seminar nichts und niemand zu Boden wirft“
„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon)
Mit der Frage, wie man konkret im Seminarleben damit umgeht, wenn´s ganz anders läuft als gedacht, beschäftigt sich Jürgen Schulze-Seeger in seinem Buch „Schwarzer Gürtel für Trainer: Wie Sie im Seminar nichts und niemand zu Boden wirft“.
Die Kapitelüberschriften orientieren sich an den Stufen einer fernöstlichen Kampfkunst: Los geht es mit dem „weißen Gürtel“, einem einführenden Kapitel. Danach geht Schulze-Seeger auf die unterschiedlichen Störungsquellen ein, die im Seminaralltag auftreten können, und gibt bereits Ideen für Werkzeuge zur „Problemhebung“ mit auf den Weg. Schon hier ist mir aufgefallen, dass der Autor nicht vom „Trockenschwimmen“ berichtet, sondern unterhaltsame Anekdoten aus eigener Praxis mit einfließen lässt, bei denen ich mich beim Lesen gleich an die eine oder andere Situation aus der Vergangenheit erinnert fühlte.
Da die räumlichen Rahmenbedingungen elementaren Einfluss auf das Gelingen eines Seminars haben, widmet der Autor diesem Punkt ein eigenes Kapitel. In der „Magie der Eröffnung“ geht er dann sehr facettenreich auf Bedeutung und Ausgestaltungsmöglichkeiten der Anfangssequenz ein. Anregungen zum Umgang mit negativen Grundhaltungen und Spielregeln folgen in weiteren Abschnitten. Da auch falsch ausgewählte Methoden zu Störungen führen können, greift der Autor dieses Thema in einem weiteren Kapitel auf.
Zum Abgleichen eigener Erfahrungen und Nachdenken über neue Ansätze lädt Schulze-Seeger ein, wenn er Antworten auf Fragen gibt, z. B. „Wie argumentiere ich überzeugend“? und „Wie gehe ich geschickt mit Einwänden um?“ So richtig spannend wird es dann, wenn sich der Autor bestimmten Teilnehmertypen zuwendet, die selbst routinierte Profis zum Schwitzen bringen können. Man denke nur an den „Kümmellängsspalter“, „Vielredner“, „Kritiker“ oder „Tuschler“. Zu jedem Typus liefert Schulze-Seeger zunächst eine kurze Beschreibung und einen Lieblingssatz/eine Lieblingsfrage dieser „Spezies“. Anschließend gibt der Autor Tipps, wie man die Energien dieser Teilnehmer positiv für das Seminar gewinnen kann. Dabei warnt er davor, Teilnehmer zu bewerten und vorschnell in etwaige Schubladen zu „verfrachten“, sondern rät dazu, genauer hinzuschauen – auch um andere Facetten wahrzunehmen.
Jeder, der Seminare leitet, kennt es vermutlich: Schweigende, aber auch schläfrige Teilnehmer zur Mitarbeit zu motivieren, kann mitunter zur Herausforderung werden. Auch hier bringt Schulze-Seeger in einem weiteren Kapitel praxisnahe Vorschläge, wie man wortkarge Menschen wieder redselig und müde wieder munter machen kann.
Selbst um „Härtefälle“ macht Schulze-Seeger keinen Bogen, indem er z.B. die heikle Frage aufgreift, wann und wie man einen Teilnehmer rausschmeißt. Um es schon einmal vorwegzunehmen: Der Autor rät dringend davon ab, einen Teilnehmer nur deshalb aus dem Raum zu weisen, weil er stört. Aber auch weitere Fragen, z.B. wann es sinnvoll ist, ein Seminar abzubrechen, bleiben nicht unbeantwortet.
Im letzten Kapitel gibt der Seminar-Profi schließlich Tipps, wie man nach Katastrophenseminaren schnell wieder „auf die Füße“ kommt. Dieses Kapitel finde ich besonders wertvoll, weil andere Autoren häufig bei der Lösung schwieriger Seminarsituationen stehenbleiben, während Anregungen zur Verarbeitung von Bauchlandungen fehlen.
Das Buch ist sehr unterhaltsam und leicht lesbar geschrieben und dennoch gehaltvoll. Da Schulze-Seeger sehr lebendig und anschaulich aus seiner langjährigen Berufspraxis berichtet, ist das Lesen besonders kurzweilig. Selten musste ich beim Lesen eines Fachbuchs so oft lachen, weil es einfach humorvoll geschrieben ist. Die eingestreuten Cartoons lösen ebenfalls oft ein Schmunzeln aus.
Positiv finde ich, dass Schulze-Seeger nicht nur das Management von Krisen aufgreift, sondern auch zahlreiche Anregungen gibt, wie Störungen gar nicht erst entstehen.
Beim Lesen des Buches ist mir sehr angenehm aufgefallen, dass der Autor eine sehr wertschätzende Grundhaltung gegenüber seinen Teilnehmern einnimmt. Diese zieht sich wie ein „roter Faden“ durch das gesamte Buch.
Letztendlich ist das Buch ein bereicherndes und humorvoll geschriebenes Standardwerk mit viel Substanz, das sehr vielschichtig zu fast allen erdenklichen kritischen Seminarsituationen praktisches Handwerkszeug mit auf den Weg gibt.
Katja Porsch
Die Autorin verfügt über langjährige Erfahrungen in der Erwachsenenbildung. Derzeit arbeitet sie als Koordinatorin und Dozentin im Berufsförderungswerk Hamburg.
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